Samstag, 28. Juni 2014

West Coast Trail

Day 1 and 2

Der Trail macht einem zu einer Spielfugur in einem Jump amd Run Spiel a la Super Mario. Man balanciert auf Baumstämmen über einen Abgrund, springt von Felsen zu Felsen über Sumpfboden, läuft über Brücken die unter einem wegbrechen, klettert zig Leitern rauf und runter, usw... . Und das alles mit einem, in meinem Fall, 22kg schweren Rucksack. Ich liebe es. Wirklich!

Am ersten Tag schafften wir ganze 6 km in 4 Stunden. Diese Hochgeschwindigkeit konnten wir auch am zweiten Tag nicht toppen. 9 km in 6,5 Stunden. Jeder Schritt erfordet konzentration. Man muss bewusst ab und zu stehen bleiben um die wunderschöne Naturlandschaft, die vielen mächtigen Bäume, die märchenhaften Lichtungen und die Strände zu genießen, da man ansonsten nur den Boden in ein bis zwei Meter entfernung vor sich anvisiert. 
Wenn man auf dem Weg jemanden trifft wird nicht kommentarlos aneinander vorbeigegangen sondern kurz geplauscht. Wir selbst sind derzeit mit einem Salzburger (ein Profibergläufer) und drei Kanadiern unterwegs. Das Wetter spielt eine große Rolle und diese spielt es bisher gut. In den ersten zwei Tagen  hatten wir viel Sonne und erst Nachmittags begann es zu regnen.

Viele der Einheimischen hier können es nicht glauben wenn wir erzählen,  dass wir aus Österreich hier her gekommen sind um den West Coast Trail zu machen. Ich bisher auch nicht. Doch nach den ersten paar Schritten wusste ich schon, dass es die Reise wert war.

Day 3

14 km in 8 Stunden Gehzeit. Den härtesten Teil des Trails haben wir hinter uns gebracht. Endlich raus aus den ewigen Tiefen der Wälder und weiter am Strand. Von nun an sollten wir leichter voran kommen. Das wurde gleich mit einem Sprung in den See gefeiert. Ich schätze das Wasser auf 10 °C. Der Großteil des Tages war verregnet.
Zum Mittag gibts immer ein bis zwe Müsliriegel, Abends gibts täglich Instantnudeln mit Geschmacksaroma -jetzt schon kann keiner das Nudelzeug mehr sehen. Kalorienbilanzmäßig werden wir eine Menge abnehmen in dieser Woche. Wir verbrennen sicher das Doppelte von dem was wir zu uns nehmen.
Unser Kampingplatz war super gelegen unter dichten Bäumen. Bei Lagerfeuer und Gitarre ein sehr schöner Abend. Am nächsten Morgen war trotzdem alles nass was draußen blieb. Das tuts auch wenns nicht regnet. Die Luftfeuchtigkeit hier hat alles im Griff.

Bei einem kurzen Abstecher über die Klippen der Brandung zu einem "sehenswerten" Fleck bin ich auf den steilen schleimigen Felsen ausgerutscht und in meiner vollen Montur geradewegs ins Meer unterwegs gewesen. Ich fühlte mich wie Stallone in Cliffhanger als ich mich noch im letzten Moment felstkrallen konnte. Ausgesehen hats aber wahrscheinlich eher wie Tinkiwinki von den Teletubbies weil ich mir vor Schreck fast in die Hosen geschissen habe.

Day 4

22 km in 10 Stunden Gehzeit.
Wir haben uns in der Früh von unseren bisherigen Gefährten verabschiedet weil wir heute einen Tag überspringen wollten und stellen damit unsere Fitness auf eine harte Probe. Um 8:00 Uhr begann das Rennen gegen die Gezeiten. An zwei Stellen der Strecke mussten wir vor der Flut ankommen da diese sonst nicht mehr passierbar gewesen wäre. Der Start verlief denkbar schlecht als ich gleich nach dem Start in eine Pfütze stiegt die sich als gute 60 cm tief entpuppte. Meine Schuhe und Gamaschen haben sich bisher wirklich bewährt, aber das war auch für sie zu viel. Den Tag maschierte ich nun auf nassem Fuß. Es gab Klippen zu überwinden, Flüsse zu durchqueren und wieder viele abwechslungsreiche Waldstücke zu bewältigen. Die Gezeiten hatten wir im Griff, die Beine eher weniger. Wenn jemand mal behauptet, dass die Beine irgemdwann ganz von allein gehen dann schick ihn auf den WestCoastTrail und er hat nach 10 hirnlosen Schritten ein gebrochenen Fuß. 
Bei den langen Passagen am Strand, während man sich durch den weichen Sand kämpft, schweift man wirklich gedanklich ab um sich von dem Schmerzen abzulenken. Die Fußsohlen fühlen sich an als hätte sie jemand stundenlang mit einem Lienal geschnalzt, die Schulterblätter als hätte dir jemand Nägel reingeschlagen. Der Rucksack sitzt einfach nicht mehr gut nach 9 Stundem, egal wie man ihn einstellt. Und trotzdem macht es Spaß weil es einfach ein Abenteuer ist.

Ich denk darüber nach dass ich mit so "wenig" Zeug im Rucksack auch leben kann und das ganze Zeug daheim verschenken sollte. Asket werden - glücklicher Sein? Nein, denn meine nächsten Überlegungen sind welche Dinge ich aus der zivilisierten Welt gerade am meisten Vermisse. 
1. Warme Dusche und richtiges Klo
2. WM Spielergebnisse
3. Eine Pizza mit Cola

Meine letzten Gedanken vor dem Finish widme ich noch dem Stück Speck aus Österreich das ich nach dem heutigen Marathonmarsch mit einem Stück Brot verputzen werde - das kulinarische Highlight der ganzen Woche.

Day 5

13 km in 5:30 Stunden. Morgen haben wir es geschafft. Endlich! Ich hab schon wieder das Zeug aus dem Schmutzwäschesack an weil das andere entweder noch schmutziger oder feucht ist. Die Schuhe und die Wäsche trocknet nicht mehr von alleine. Lagerfeuertrocknung ist Pflicht jeden Abend. Meine Schuhe dampfen gerade neben dem Feuer.
Vor zwei Tagen hat Julia angemerkt in Costa Rica viel mehr Tiere gesehen zu haben. Heute ist sie gleich zweien sehr nahe gekommen. Beim Ersten ist sie gerade über einen Baumstamm am Strand gewandert. Nur dass es kein Baumstamm, sondern ein riesiger aufgequollener toter Seehund war. Die zweite Begegnung war eine Bremse die sie in den Hals gebissen hat. Wahrscheinlich ist sie jetzt froh darüber nicht mehr Tieren begegnet zu sein. Die Wale, Bären und Wildkatzen lassen sich Zeit damit sich bei uns vorzustellen.  Morgen vielleicht...

Day 6

Wir sind wirklich einem Bären begegnet!! Im Bus am Rückweg vom Trail :D Meister Petz hat sich wirklich bis zum letzten Moment Zeit gelassen. 

In der Nacht auf heute hat es zu regnet begonnen. Im Zelt wars saukalt. Ungemütlich ist es sowieso immer weil wir gewichtstechnisch nur alufolie als Matten verwnden.
Wir sind die restlichen 12 km im strömenden Regen in unter 4 Stunden marschiert. Bereits nach einer Stunde war ich bis auf die Unterhose durchgefeuchtelt. Das zehrt wirklich an den Kräften. Man Stelle sich vor dass es manchmal wochenlang durchregnet. Wenn man dann den Trail macht ist man am Ende nur noch ein Häufchen Elend.
Wir aber nicht. Wir sind schmutzig, stinken und haben schmerzen. Aber vor Allem sind wir sehr glücklich das erlebt und stolz das geschafft zu haben.

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