Sonntag, 29. Juni 2014

Jazz Night

Komplikationen bei der Automiete verschoben unseren RoadTrip durch British Kolumbia und wir verbrachten noch eine Nacht in Vancouver. Ich suchte das billigste Hotel das zu finden war. Der Weg dort hin führte uns in die arme Gegend der Stadt. In den USA sollte solche Viertel der Stadt gar nicht betreten, aber Kanada gilt ja als sicher. Was tut man nicht alles um Geld zu sparen.
An jeder Ecke hangen Obdachlose herum und dazwischen und davor und überall. Gefahr verspürten wir trotzdem nicht, denn die meisten hatten den Großteil ihres Bewußtseins schon durch Ihre Cracksucht eingebüßt. Es erweckte den Eindruck einer Zombieapokalypse.
Das Hotel war Mitten drin und dennoch sehr annehmbar. Es gab sogar gratis Eintritt für das Pub nebenan welches einer der Austragungsorte des Vancouver Jazzfestivals war. Trat man durch die Tür in die Bar wurde man in eine andere Zeit versetzt. Livejazz, gutes Bier und gutes Essen in perfekter Atmosphäre. Unerwartet toller Abend. Es gab sogar einen original Packman Spielautomaten.

Samstag, 28. Juni 2014

West Coast Trail

Day 1 and 2

Der Trail macht einem zu einer Spielfugur in einem Jump amd Run Spiel a la Super Mario. Man balanciert auf Baumstämmen über einen Abgrund, springt von Felsen zu Felsen über Sumpfboden, läuft über Brücken die unter einem wegbrechen, klettert zig Leitern rauf und runter, usw... . Und das alles mit einem, in meinem Fall, 22kg schweren Rucksack. Ich liebe es. Wirklich!

Am ersten Tag schafften wir ganze 6 km in 4 Stunden. Diese Hochgeschwindigkeit konnten wir auch am zweiten Tag nicht toppen. 9 km in 6,5 Stunden. Jeder Schritt erfordet konzentration. Man muss bewusst ab und zu stehen bleiben um die wunderschöne Naturlandschaft, die vielen mächtigen Bäume, die märchenhaften Lichtungen und die Strände zu genießen, da man ansonsten nur den Boden in ein bis zwei Meter entfernung vor sich anvisiert. 
Wenn man auf dem Weg jemanden trifft wird nicht kommentarlos aneinander vorbeigegangen sondern kurz geplauscht. Wir selbst sind derzeit mit einem Salzburger (ein Profibergläufer) und drei Kanadiern unterwegs. Das Wetter spielt eine große Rolle und diese spielt es bisher gut. In den ersten zwei Tagen  hatten wir viel Sonne und erst Nachmittags begann es zu regnen.

Viele der Einheimischen hier können es nicht glauben wenn wir erzählen,  dass wir aus Österreich hier her gekommen sind um den West Coast Trail zu machen. Ich bisher auch nicht. Doch nach den ersten paar Schritten wusste ich schon, dass es die Reise wert war.

Day 3

14 km in 8 Stunden Gehzeit. Den härtesten Teil des Trails haben wir hinter uns gebracht. Endlich raus aus den ewigen Tiefen der Wälder und weiter am Strand. Von nun an sollten wir leichter voran kommen. Das wurde gleich mit einem Sprung in den See gefeiert. Ich schätze das Wasser auf 10 °C. Der Großteil des Tages war verregnet.
Zum Mittag gibts immer ein bis zwe Müsliriegel, Abends gibts täglich Instantnudeln mit Geschmacksaroma -jetzt schon kann keiner das Nudelzeug mehr sehen. Kalorienbilanzmäßig werden wir eine Menge abnehmen in dieser Woche. Wir verbrennen sicher das Doppelte von dem was wir zu uns nehmen.
Unser Kampingplatz war super gelegen unter dichten Bäumen. Bei Lagerfeuer und Gitarre ein sehr schöner Abend. Am nächsten Morgen war trotzdem alles nass was draußen blieb. Das tuts auch wenns nicht regnet. Die Luftfeuchtigkeit hier hat alles im Griff.

Bei einem kurzen Abstecher über die Klippen der Brandung zu einem "sehenswerten" Fleck bin ich auf den steilen schleimigen Felsen ausgerutscht und in meiner vollen Montur geradewegs ins Meer unterwegs gewesen. Ich fühlte mich wie Stallone in Cliffhanger als ich mich noch im letzten Moment felstkrallen konnte. Ausgesehen hats aber wahrscheinlich eher wie Tinkiwinki von den Teletubbies weil ich mir vor Schreck fast in die Hosen geschissen habe.

Day 4

22 km in 10 Stunden Gehzeit.
Wir haben uns in der Früh von unseren bisherigen Gefährten verabschiedet weil wir heute einen Tag überspringen wollten und stellen damit unsere Fitness auf eine harte Probe. Um 8:00 Uhr begann das Rennen gegen die Gezeiten. An zwei Stellen der Strecke mussten wir vor der Flut ankommen da diese sonst nicht mehr passierbar gewesen wäre. Der Start verlief denkbar schlecht als ich gleich nach dem Start in eine Pfütze stiegt die sich als gute 60 cm tief entpuppte. Meine Schuhe und Gamaschen haben sich bisher wirklich bewährt, aber das war auch für sie zu viel. Den Tag maschierte ich nun auf nassem Fuß. Es gab Klippen zu überwinden, Flüsse zu durchqueren und wieder viele abwechslungsreiche Waldstücke zu bewältigen. Die Gezeiten hatten wir im Griff, die Beine eher weniger. Wenn jemand mal behauptet, dass die Beine irgemdwann ganz von allein gehen dann schick ihn auf den WestCoastTrail und er hat nach 10 hirnlosen Schritten ein gebrochenen Fuß. 
Bei den langen Passagen am Strand, während man sich durch den weichen Sand kämpft, schweift man wirklich gedanklich ab um sich von dem Schmerzen abzulenken. Die Fußsohlen fühlen sich an als hätte sie jemand stundenlang mit einem Lienal geschnalzt, die Schulterblätter als hätte dir jemand Nägel reingeschlagen. Der Rucksack sitzt einfach nicht mehr gut nach 9 Stundem, egal wie man ihn einstellt. Und trotzdem macht es Spaß weil es einfach ein Abenteuer ist.

Ich denk darüber nach dass ich mit so "wenig" Zeug im Rucksack auch leben kann und das ganze Zeug daheim verschenken sollte. Asket werden - glücklicher Sein? Nein, denn meine nächsten Überlegungen sind welche Dinge ich aus der zivilisierten Welt gerade am meisten Vermisse. 
1. Warme Dusche und richtiges Klo
2. WM Spielergebnisse
3. Eine Pizza mit Cola

Meine letzten Gedanken vor dem Finish widme ich noch dem Stück Speck aus Österreich das ich nach dem heutigen Marathonmarsch mit einem Stück Brot verputzen werde - das kulinarische Highlight der ganzen Woche.

Day 5

13 km in 5:30 Stunden. Morgen haben wir es geschafft. Endlich! Ich hab schon wieder das Zeug aus dem Schmutzwäschesack an weil das andere entweder noch schmutziger oder feucht ist. Die Schuhe und die Wäsche trocknet nicht mehr von alleine. Lagerfeuertrocknung ist Pflicht jeden Abend. Meine Schuhe dampfen gerade neben dem Feuer.
Vor zwei Tagen hat Julia angemerkt in Costa Rica viel mehr Tiere gesehen zu haben. Heute ist sie gleich zweien sehr nahe gekommen. Beim Ersten ist sie gerade über einen Baumstamm am Strand gewandert. Nur dass es kein Baumstamm, sondern ein riesiger aufgequollener toter Seehund war. Die zweite Begegnung war eine Bremse die sie in den Hals gebissen hat. Wahrscheinlich ist sie jetzt froh darüber nicht mehr Tieren begegnet zu sein. Die Wale, Bären und Wildkatzen lassen sich Zeit damit sich bei uns vorzustellen.  Morgen vielleicht...

Day 6

Wir sind wirklich einem Bären begegnet!! Im Bus am Rückweg vom Trail :D Meister Petz hat sich wirklich bis zum letzten Moment Zeit gelassen. 

In der Nacht auf heute hat es zu regnet begonnen. Im Zelt wars saukalt. Ungemütlich ist es sowieso immer weil wir gewichtstechnisch nur alufolie als Matten verwnden.
Wir sind die restlichen 12 km im strömenden Regen in unter 4 Stunden marschiert. Bereits nach einer Stunde war ich bis auf die Unterhose durchgefeuchtelt. Das zehrt wirklich an den Kräften. Man Stelle sich vor dass es manchmal wochenlang durchregnet. Wenn man dann den Trail macht ist man am Ende nur noch ein Häufchen Elend.
Wir aber nicht. Wir sind schmutzig, stinken und haben schmerzen. Aber vor Allem sind wir sehr glücklich das erlebt und stolz das geschafft zu haben.

Freitag, 20. Juni 2014

Dicovery Island und Lochside Trail

Weil wir beim wohnen und essen so brav sparen, leisten wir uns eine geführte Kayak- und Wandertour um und auf Discovery Island.

Discovery Island ist zum Großteil in Besitz der kanadischen Indianer. Der Ausdruck "Indianer" wurde von der Regierung als ethnisch inkorrekt eingestuft, die korrekte Bezeichnung lautet jetzt "People of the First Nation". Unser mexikanischer Tourguide meinte jedoch dieser Ausdruck ist den People of the first Nation zu mühsam und man darf sie ruhig Indianer nennen (da haben ein paar Abgeordnete wieder erfolgreich ein paar Wochen im Parlament vergeudet)

Auf der Tour sahen wir riesige Adler, faule Seelöwen und ein schlangenartiges Wassergewächs namens Bull Kelp welches die gesamte Insel umgibt und für ein einzigartiges Ökosystem sorgt. Die Blätter sind auch essbar. Für mehr als zum Reisrollen einwickeln sind sie meiner Meinung nach jedoch nicht zu gebrauchen. 

Am nächsten Tag machten wir eine self-guided Radtour. Wir wurden mit einer Landkarte, einer Flasche Wasser und einem Fahrrad im Norden der Insel ausgesetzt und mussten selbst den Weg wieder heim finden, spricht den Radweg entlang fahren.
Kanadier sind wohl, neben dem Volk mit der höchsten Rate an vollbärtigen Männern, auch das hilfsbereiteste Volk auf Erden. Man kann nicht, auch nur für einen Moment,  stehen bleiben um sich umzusehen ohne gleich gefragt zu werden ob man hilfe braucht - aus dem Auto aus. Und wenn man nicht gerade wie ein verlorener Tourist aussieht sprechen sie dich aus irgendeinem anderen Grund an.
Neben hilfsbereiten Einheimischen haben wir auch noch Rehe und Hasen auf unserer Tour gesehen. 

Morgen um 6:00 Uhr früh ist Abfahrt zum West Coast Trail. Eine Woche ohne Warmwasser, Strom, Bett und Internet... also erstmal Sendepause. 

Mittwoch, 18. Juni 2014

Victoria

Victoria ist der Vorort zu dem riesigen Naturareal von Vancouver Island.  Es wirkt aber wie der Vorort einer amerikanischen Großstadt. 
Wir leben in einem wunderbar gelegenem Hostel. Unser Raum ist das Eckzimmer zu einer Kreuzung einer 4-spurigen und einer 6-spurigen Straße. Die hochklassische Verarbeitungsqualität der amerikanischen Gebäude lassen die Fenster im geschlossenem Zustand wirken als wären sie offen - akustisch sowie klimatisch. 
Und wie es scheint hat der Bürgermeister von Vancouver es seinen Kollegen gleich getan und alle Obdachlosen nach Victoria verschifft, die Stadt die noch wärmer ist als Vancouver. 
Die Wildnis läßt noch ein wenig auf sich warten.

Montag, 16. Juni 2014

Lynn Canyon

Heute waren wir im Lynn Canyon Park. Ein familienfreundlicher Wanderweg als Aufwärmrunde für unseren Trail.
Der Canyon ist märchenhaft. Alles ist so rein und friedlich, dass man glaubt das Schlumpfdorf kann nicht mehr weit sein oder gleich tauchen Yogi Bär und sein Freund Bubu auf um dir deinen Picknickkorb zu stehlen. Er wirkt als ob jeder Baumstamm und jedes Büschel Moos von einem Nationalparkausstatter geplant wurde.

Vancouver

Vancouver ist eine sehr amerikanische Stadt mit vielen europäischen und asiatischen Einflüssen. Es treiben sich viele hippe Menschen hier herum - vegane (vegetarisch ist out) Umweltschützer die vor den Pubs draussen unter dem Heizstrahler sitzen, wenn sie nicht gerade mit ihrem iPhone in der Hand den Peer entlang laufen. 

Die Stadt ist ein Sportparadies. Tennisplätze in den Parks, viele Grünflächen zum Fussball spielen und riesige Waldstücke für lange Laufrunden. Und in jedem Lokal mehrere Fernseher wo die WM uübertragen wird, was unsere Stadttouren immer etwas stockend gestaltet. 

Fast jeder zweite ist ein Hundebesitzer. Vom Handttaschenhamster bis zur Dogge laufen alle Rassen herum. Das Sackerl fürs Gackerl gibts auch hier, heißt aber anders.
Dann gibt es noch die Obdachlosen. Kanada hatte eine ausgefeilte Strategie um sie los zu werden. Die Bürgermeister aller kanadischen Großstädte kauften jedem ihrer Obdachlosen ein Busticket nach Vancouver "der wärmsten Stadt in Kanada". Nun sonnen sie sich alle hier auf der Granville-Street, fragen unaufdringlich nach Kleingeld und entschuldigen sich höflich wenn man verneint. Alle wirken wohlerzogen und freundlich.

Am beeindruckensten ist aber die Umgebung um Vancouver herum. Die Aussicht auf riesige Gebirge in nächster Nähe der Stadt auf der einen Seite und das Meer und viele Inseln auf der anderen Seite. Beides voller Urwälder mit viel wildem Leben. Und darauf freue ich mich auch, wenn wir endlich da draußen sind.

Sonntag, 15. Juni 2014

Day One

Es regnet in Strömen und wir haben optimistische 10 °C in Vancouver.  Mein erster Gedanke ist dass ich mir die ärmellosen Shirts wohl hätte sparen können und mehr Pullover brauche. Vancouver wird in den kommenden Jahren wohl noch nicht unter dem Klimawandel leiden.